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open OHR FESTIVAL

PFINGSTEN Mainz/Zitadelle

Für Birne, Bauch
& Beine

Eine Gründungs-geschichte als Interview-Collage

Prolog

Tom Schroeder: Der Mief der Adenauer-Jahre wurde mit der Studentenbewegung und den Song-Festivals auf der Burg Waldeck der 60er Jahre etwas durchlüftet. Ob frische Sound-Setter wie Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp, Walter Moßmann, Hanns Dieter Hüsch, Hannes Wader, Christof Stählin, Reinhard Mey oder neue Traditionalisten wie Peter Rohland und Hein & Oss Kröher -die Waldeck-Sänger aus der Generation der Nazi-Kinder machten das Maul auf, weil sie Ohren und Nase voll hatten von der tonangebenden Verklärung im deutschen Schlager, von der bedrückenden "Backe-Backe-Eierkuchen-Kultur der Adenauer-Zeit", wie Martin Degenhardt es ausdrückte. Dagegen wehrten sie sich, wollten dagegen anstinken mit ihren neuen oder neu entdeckten Liedern. Diese Songs hatten mit ihrer eigenen Wirklichkeit zu tun, mit dem kalten Krieg hierzulande und mit dem heißen Krieg in Vietnam:

Anti-Militaristisch, Anti-Faschistisch, Anti-Kapitalistisch, Anti-Autoritär - das waren Begriffe, unter denen sich die Außerparlamentarische Opposition (APO) zusammengefunden hatte. Später gab es dann diese Enttäuschung, als man merkte, dass man die große Welt nicht auf einen Schlag zum Besseren umkrempelt. Da sah man, wie schwer es ist, Veränderungen durchzusetzen. Wie schwer es schon fällt, nur sich selbst zu verändern - Millimeterarbeit. Auf diesen Erfahrungen konnte man aufbauen auch im Zusammenhang mit einem neuen Festival: das man städtischer und gelassener, freundlicher und auch humorvoller machen wollte.

Open Ohr

Günther Schreiber: Die Idee zu einem Festival in Mainz entstand bei mir bei einem Besuch auf einem der Burg-Waldeck-Songfestivals. Konturen erhielt der Festivalgedanke während eines Folklore-Festivals in Ingelheim 1973, dass ich allerdings auf keinen Fall imitieren wollte. Organisatorische Gestalt bekam der Plan eines Festivals in Mainz im Gespräch mit Uli Holzhausen, der die Ingelheimer Festivals organisiert hatte, und später mit dem engagierten Leiter des Jugendamtes, Hans-Otto Löhr, und dem Sozialdezernenten Karl Delorme, der sofort ein glühender Verfechter der Idee eines Jugendfestivals in Mainz wurde.