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open OHR FESTIVAL

PFINGSTEN Mainz/Zitadelle

Songs als Medium

Ich denke Genossen mit der Monotonie des Yeah, Yeah, Yeah sollte man doch Schluss machen.
(Walter Ulbricht)

Das ist wahr. Das ist wahr. Aber sonst ist Alles Lüge Alles Lüge Alles Lüge.
(Rio Reiser)

Open Ohr heißt nicht zum einen Ohr rein - und zum anderen Ohr raus. Das galt und gilt auch und vor allem für die Musik. Bereits beim Gründungsfestival 1975 lassen die Veranstalter keinen Zweifel aufkommen. Songs als Medium, heißt es programmatisch. Und weiter: Gerade in den Widersprüchlichkeiten, Unfertigkeiten und Inkonsistenzen der Folk-Szene liegt ihre Chance: sie sperrt sich gegen Vereinnahmungen. … Darin liegt auch die Chance derer, die auf den Festivals waren. Zu lernen, wieder gemeinsam singen zu können, nicht repressiv und doch nicht verschleiernd, gemeinsam auf Texte achten, zu Selbsttätigkeit und eigener Artikulation anzuregen und angeregt zu werden, ein kleines Stück lebendiger

Alternative zu kommerzialisierter Freizeit und zu aufdringlich reaktionären Schlagern mitzugestalten das sind die Lernmöglichkeiten, die in der offenen, nicht ihrerseits gleich wieder ideologisierten Auseinandersetzung mit dieser Szene stecken. Das klingt nicht gerade nach Sex, Drugs & Rock' n' Folklore.

Doch gleichzeitig wird auch betont: "Die Erfahrung der Unmöglichkeit, auf die Dauer ausschließlich kämpferisch-stramme Lieder zu singen, und die Wiederentdeckung der politischen Dimension im Alltag haben das schlechte Gewissen und die Distanz gegenüber nicht explizit politischen Kulturinhalten wieder verringert. Fröhliche und emotionale Lieder sind wieder legitimiert, Politik kann auch wieder Emotionalität und Lebensfreude umfassen." "Happy Folk war nicht verpönt", so Ex-Festivalmacher Uli Holzhausen. Also doch Sex, Drugs & Rock'n'Folklore?

Der von den Festivals auf der Burg Waldeck über die Folkfestivals in Ingelheim nach Mainz gerettete aufklärerische Impetus bestimmt das Musik-Programm (nicht nur?) der ersten Jahre. "Hits und Antihits" - so der Titel des ersten Open Ohr - war der "Versuch das Publikum zu testen und eigentlich auch zu spalten", erinnert sich der Programmmacher der ersten Stunde, Reinhard Hippen. Allein, der Schlagerfan bleibt zu Haus